Samstag, 25. September 2010

Thementag "WASSER"

KENNT Ihr das? Normalerweise kommt ja immer weniger Wasser aus dem Duschkopf, je wærmer man die Temperatur einstellt. Unser Tag heute hat ganz anders angefangen: Der Strahl wurde immer kræftiger, je wærmer das Wasser wurde ... komisches Phænomen ... egal: Nur schnell fertigmachen, denn um Punkt 9.00 Uhr stehen Svanberg und Ásta vor der Tuer und es geht los.

Schon nach wenigen Minuten ist von der "Grossstadt" Reykjavik nichts mehr zu sehen. Statt dessen fahren wir auf gewundenen kleinen Strassen durch schier endlose, bestenfalls mit einer mehr oder weniger dicken Schicht Moos bedeckte Lavafelder - mehr oder weniger hængt davon ab, ob sie "erst" ca. 1000 Jahre alt sind oder schon 8000 oder noch ælter ...

Neben der Strasse verlæuft eine Pipeline. Svanberg erklært uns, dass darin heisses Wasser vom Inselinneren nach Reykjavik befördert wird - und auf einer Strecke von knapp 50 Kilometern nur 1,5 Grad kælter wird. Einziges Problem: Es enthælt Sauerstoff, der Leitungen angreift, und dagegen wird eine Spur Schwefelwasserstoff hinzugegeben (das erklært auch den leicht fauligen Geruch in der Dusche heute morgen ...). Kurz darauf kommen wir an einem Geothermal-Kraftwerk an. Die Brunnen, aus denen das Wasser kommt, sind circa 1000-2000 Meter tief. Da unten wird das Wasser durch die vulkanische Energie auf rund 380 Grad erhitzt. Mit dem Dampf treibt man Turbinen an, und wenn er dann kondensiert ist, wird Kaltwasser aus anderen Brunnen damit auf 85-90 Grad erhitzt ... und nach Reykjavik gepumpt. ENDLICH mal ein Land, wo man ueberhaupt kein schlechtes Gewissen zu haben braucht, wenn man gern lang und ausgiebig duscht!

Weiter geht es von da aus nach Þingvellir. An diesem malerisch gelegenen Ort kann man sehen, wie die eurasische und die nordamerikanische Kontinentalplatte langsam aber sicher auseinanderdriften (nur rund 2cm pro Jahr).


Hier kam im Jahr 930 n. Chr. das erste islændische Parlament zusammen - also ein geschichtstræchtiger Ort. Getreu unserem Tagesthema giesst es in Strömen ... Trotzdem machen wir uns auf den Weg zum Óxaráfoss. Die Endsilbe "-foss" bedeutet auf Islændisch "Wasserfall" - und davon gibt es hier eine ganze Menge, einer schöner als der andere!


Æusserlich völlig durchnæsst fællt uns auf, dass wir schon lange nix mehr getrunken haben ... Svanberg hat aber vorgesorgt und vier LEERE Flaschen mitgenommen (???). Am Nordende des Þingvallavatn hælt er plötzlich an, geht mit den Flaschen ans Ufer, sucht ein wenig und fuellt sie dann auf. Hier kommt næmlich das Wasser an, das 50 Jahre zuvor am Langjökull-Gletscher abgeschmolzen und mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 1km/Jahr durch alle möglichen Gesteinsschichten gesickert ist - allerbestes, köstliches Quellwasser!!!

Nun ist es erstmal vorbei mit dem Komfort geteerter Strassen ... es geht auf der mit Schlaglöchern uebersæten Schotterpiste weiter, nach wie vor mit viel Nass von oben und von der Seite. Irgendwann sehen wir schon von weitem weisse Sæulen aus Wasserdampf nach oben steigen. Wir sind angekommen beim Namensgeber aller heissen Quellen weltweit, die in regel- oder unregelmæssigen Abstænden Wasserfontænen in die Luft schiessen: dem Grossen Geysir. Aktiv ist allerdings momentan nur sein wenige Meter nebenan liegender Nachbar Strokkur - der dafuer aber um so spektakulærer! Es ist schon ein eigenartiges Gefuehl, vor einem Loch mitten in der Erde zu stehen, in dem ununterbrochen Wasser am Kochen ist wie in einem heissen Topf auf dem Kuechenherd ... und gleich daneben bæumt sich eine Wasseroberflæche von rund zwei Metern Durchmesser alle paar Minuten zu einer Halbkugel auf, um dann explosionsartig abertausende feine Tröpfchen 30 und mehr Meter hoch in die Luft zu schleudern!


Aber noch ist unser Thementag "Wasser" nicht zu Ende: Rund 10 Kilometer weiter östlich wartet noch ein Highlight auf uns mit Namen Gullfoss. Richtig: es ist wieder ein Wasserfall - diesmal aber von einer ganz anderen Dimension als heute Morgen. Man steht vor diesem donnernden Naturschauspiel und kommt sich unendlich klein vor ... Als wir uns endlich losreissen und den Rueckmarsch antreten, reisst die Wolkendecke auf und gibt am Horizont den Blick frei auf den Gletscher, von dem diese Wassermassen kommen: den Langjökull.


Nach einem Tag mit sehr viel Wasser (in allen Aggregatszustænden) laden uns Svanberg und Ásta zum Abendessen ein (schon wieder!). Mal sehen, wie der Thementag "Wasser" kulinarisch endet ...
(Alle Bilder findet Ihr uebrigens hier ...)

1 Kommentar:

streits4friends hat gesagt…

Hihi...lustig finden wir, dass ihr offensichtlich im gleichen Gästezimmer gelandet seid, wie Hille und Co. Als sie zurückkamen haben wir nämlich Bilderbrunch gemacht und uns alle Geschichte rund um Island angehört - tolle Insel. Minkwal finde ich sehr interessant...
Wünschen euch noch paar schöne Thementage Gruß von Merle und Co